Warum braucht es Massnahmen, um den Busverkehr zu beschleunigen?
Christoph Kessler: Busse fahren im Stadtgebiet grösstenteils im Mischverkehr, sie teilen sich die Fahrbahn mit dem Individualverkehr. Wenn es dort zu Stau kommt, bleibt auch der Bus stecken und kann seinen Fahrplan nicht mehr einhalten. Die Fahrgäste verpassen ihre Anschlüsse. Mit gezielten Massnahmen bekommt der Bus mehr Platz und Vortritt, damit er pünktlicher ankommt.
Was verändert sich konkret auf der Strasse?
Ein Beispiel: Auf der Pilatusstrasse wird ein bisher gemischter Fahrstreifen zur Busspur umgewidmet. Auf der Strecke vor dem Pilatusplatz kann der Bus so am Rückstau vorbeifahren und rechts abbiegen.
Anpassungen an den Lichtsignalanlagen bringen auch einen Nutzen. Nach der Haltestelle Eichhof zum Beispiel muss der Bus bei der nächsten Ampel regelmässig halten und warten, bis es grün wird. Mit einer besseren ÖV-Priorisierung lässt sich das beheben.
Dazu kommen Anpassungen bei einzelnen Haltestellen: Durch Ummarkierungen entstehen Fahrbahnhaltestellen, bei denen der nachfolgende Individualverkehr hinter dem Bus kurz warten muss, der Bus nach dem Halt aber freie Fahrt hat.

Christoph Kessler stellt an der Medienkonferenz vom 19. Juni 2026 die neuen Massnahmen zur Busbeschleunigung im Stadtzentrum von Luzern vor.
Bedeutet das für Autofahrende nicht Nachteile?
Das ist nachvollziehbar, dass das so wirkt. Wenn eine gemischte Fahrspur zur Busspur wird, ist für den Autoverkehr weniger Platz vorhanden. Simulationen zeigen aber: Mit diesen Massnahmen können die Strassen weitgehend noch rund 90 Prozent der Nachfrage der mittleren Abendspitze für den Autoverkehr aufrechterhalten.
Es gibt somit zu gewissen Zeiten Einschränkungen, aber durch das Verkehrsmanagement sind diese voraussichtlich kontrollierbar. Nach einer Angewöhnungsphase rechnen wir damit, dass mehr Leute auf den Bus umsteigen und somit zu einem effizienterem Gesamtverkehrssystem beitragen. So wird der Verkehr für alle flüssiger.
Wie wird der Erfolg gemessen?
Der Versuch läuft ein Jahr. Wir erheben zuerst einen Ist-Zustand und vergleichen nachher, was sich verändert hat, wo es positive Effekte gibt, wo allenfalls auch Nachteile entstehen. Das wird dann gemeinsam mit Partnern wie dem VVL, der Stadt Luzern, dem Bundesamt für Strassen ASTRA und dem Kanton abgewogen: Sind wir auf dem richtigen Weg? Was behalten wir, was passen wir an? Parallel zu diesem Monitoring werden die Bevölkerung, Verbände, Gemeinden sowie weitere relevante Stakeholder befragt.
Wo geht die Entwicklung längerfristig hin?
Besonders interessant finde ich die intelligentere Steuerung des Gesamtsystems. Dazu laufen bereits Gespräche mit den VBL: Ein Bus soll sich an der Ampel nicht nur anmelden, sondern auch mitgeben können, wie viel Verspätung er hat. Das System kann dann entsprechend reagieren. Die Systeme sind bei den Verkehrsbetrieben teilweise schon vorhanden. Es geht darum, sie besser zu verknüpfen. Das ist keine ferne Vision, sondern wird in näherer Zukunft Realität.