«Die Wirkung von Busspuren ist in Zahlen sichtbar»

Der «Pünktlichkeitsradar» macht die Pünktlichkeit der Buslinien im Kanton Luzern sichtbar – Linie für Linie, Stunde für Stunde. Projektleiterin Martina Hauri über das, was sich 2025 verbessert hat, warum die Abendspitze so schwer zu bändigen ist – und was Kanton und Gemeinden jetzt tun müssten.

Martina, du hast soeben den Pünktlichkeitsradar mit den Zahlen von 2025 aktualisiert. Was hat dich am meisten überrascht?

Martina Hauri: "Nicht überrascht, aber gefreut: Die Wirkung von Busspuren ist in Zahlen sichtbar. Das zeigt sich auf verschiedenen Linien, am deutlichsten auf der Linie 12 (Luzern Bahnhof – Littau Gasshof), wo sich die Pünktlichkeit in der Abendspitze um 23 Prozentpunkte verbesserte. Das liegt neben dem Wegfall der Rengglochsperre an der provisorischen Busspur im Zulauf zum Knoten Kreuzstutz.

Über alle Buslinien gesehen hat sich die Pünktlichkeit gegenüber 2024 um 1,3 Prozentpunkte verbessert. Wir sind immer noch auf tiefem Niveau – aber die Richtung stimmt."

Die meisten Pendlerinnen und Pendler kennen die Daten nicht im Detail. Wenn du die Entwicklung 2025 auf zwei, drei wesentliche Punkte verdichtest – welche wären das?

"Erstens: Durch das Ende mehrerer grosser Baustellen im Raum Luzern – Renggloch, Obernauerstrasse, Bruchstrasse, Dreilindenstrasse – konnte die Pünktlichkeit auf nahezu allen Linien in der Innenstadt, in Littau und Kriens gesteigert werden.

Zweitens: Auf anderen Linien hat sich die Situation durch neue Baustellen verschlechtert, etwa auf den Linien 60 und 61 wegen der Lohrenkreuzung oder auf den Linien 64, 212, 221 und 231 wegen einer Baustelle und längerer Fahrwege in Wolhusen.

Drittens: Die fertiggestellten Bushubs in Rothenburg und Sursee haben durch kürzere Fahrwege zu besseren Werten beigetragen – zum Beispiel auf der Linie 62."

Martina Hauri vom Verkehrsverbund Luzern ist für den so genannten "Pünktlichkeitsradar" der Buslinien im Kanton Luzern zuständig.

Zwar hat sich die Pünktlichkeit in der Abendspitze leicht verbessert, trotzdem liegt sie über alle Linien bei durchschnittlich «nur» 62 Prozent. Warum ist die für Pendlerinnen und Pendler kritischste Zeit so schwer in den Griff zu kriegen?

"In dieser Phase der Abendspitze nutzen viele Pendlerinnen und Pendler sowie Freizeitreisende nicht nur den öffentlichen Verkehr, sondern auch den motorisierten Individualverkehr (MIV), also Autos. In neun von zehn Autos sitzt aber nur jeweils eine Person, womit wenige Personen sehr viel Strassenfläche beanspruchen. Da der verfügbare Strassenraum begrenzt ist, führt die hohe Anzahl Fahrzeuge schnell zu Überlastungen. Es entstehen Staus, die wiederum auch die ungleich besser ausgelasteten Busse betreffen, da sie häufig den gleichen Strassenraum nutzen. Dadurch kommt es gerade in dieser für Pendlerinnen und Pendler wichtigsten Zeit vermehrt zu Verspätungen.

Umgekehrt verbessert sich in den Sommerferienmonaten Juli und August die Pünktlichkeit vieler Linien spürbar – weil bereits 10 bis 15 Prozent weniger Autos auf der Strasse zu einer merklichen Entlastung führen. Das zeigt, wie sensibel das System reagiert."

Bei einzelnen Linien zeigen neue Busspuren offenbar eine Wirkung. Wo siehst du das grösste noch ungenutzte Potenzial – und was steht dort im Weg?

"Ganz einfach gesagt: Es gibt zu viele Stellen im Netz, die Busse ausbremsen. Busspuren und andere Busbeschleunigungsmassnahmen können helfen. Trotz diverser Massnahmen und zahlreicher Vorschläge in der Studie «Beschleunigung Bussystem» kommt die Umsetzung nur schleppend voran.

Der Verkehrsverbund Luzern (VVL) wird sich weiterhin bei den Infrastruktureigentümern – also Kanton und Gemeinden – für eine zügige Realisierung einsetzen. Denn Verspätungen sind nicht nur für Fahrgäste und Fahrpersonal ärgerlich – sie kosten die Steuerzahler jedes Jahr sehr viel Geld. Dieses Geld würden wir lieber in echte Angebotsverbesserungen investieren."

Baustellen können die Pünktlichkeit verbessern – wenn sie abgeschlossen sind. Und verschlechtern – solange sie dauern. Wie gut klappt die Koordination zwischen allen Beteiligten?

"Die Transportunternehmen werden in die Planung miteinbezogen, und die Koordination funktioniert grundsätzlich gut. Dennoch haben viele Baustellen deutliche Auswirkungen: Sperrungen, Umleitungen, Spurverengungen, temporäre Ampelanlagen. Bauen ohne Auswirkungen auf den Verkehr ist beim heutigen Verkehrsaufkommen kaum mehr möglich."

Was können Kanton und Gemeinden als Infrastruktureigentümer aus den Zahlen lernen?

"Die Zahlen zeigen deutlich, wie stark die Pünktlichkeit in der Abendspitzenstunde einbricht. Das gefährdet Anschlussverbindungen genau dann, wenn am meisten Leute unterwegs sind. Eine Kundenzufriedenheitsumfrage aus dem Herbst 2025 in der Zentralschweiz bestätigt das: Die Pünktlichkeit von Buslinien in der Stadt und Agglomeration Luzern wurde mit 56 von 100 Punkten bewertet – ein tiefer Wert.

Das zeigt: Pünktlichkeit ist kein technisches Detail, sondern ein zentrales Element der öV-Attraktivität. Eine zeitnahe Umsetzung von Busbeschleunigungsmassnahmen ist deshalb dringend notwendig."

Was können Kanton und Gemeinden als Infrastruktureigentümer aus den Zahlen lernen?Wagst du einen Blick voraus? Was wird den Pünktlichkeitsradar 2026 am stärksten prägen?

Wie in den vergangenen Jahren werden neu eröffnete Baustellen tendenziell einen negativen, beendete Baustellen einen positiven Einfluss haben. Was mich allerdings beschäftigt: 2026 werden keine wesentlichen neuen Busbeschleunigungsmassnahmen in Betrieb genommen. Der Handlungsbedarf bei Kanton und Gemeinden bleibt deshalb gross – und dringend.

 

Martina Hauri ist Projektleiterin Planung öV beim Verkehrsverbund Luzern (VVL)

 

Der Pünktlichkeitsradar

Der Verkehrsverbund Luzern (VVL) hat ein interaktives Monitoring-Tool entwickelt, das die Pünktlichkeit aller Buslinien im Kanton Luzern sichtbar macht – linienscharf, tageszeitgenau und im Jahresvergleich. Grün steht für pünktlich, Rot für verspätet.

Das Tool richtet sich an Infrastruktureigentümer – also Kanton und Gemeinden –, die Politik und die interessierte Öffentlichkeit:
-> https://www.geo.lu.ch/puenktlichkeit/

Bist du auch für mehr Busspuren im Kanton Luzern?

Dann melde dich bei uns. Wir freuen uns auf dein Statement.